Andreas Spechtl & Saba Alizadeh

Nov
1
WHEN
Wed 1. Nov 2017
Entry 21:00
Beginning 21:30
WHERE
Rhiz U-Bahnbogen 37
1080 Vienna

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INFO:

Andreas Spechtls neues Album „THINKING ABOUT TOMORROW, AND HOW TO BUILD IT“ ist ein unglaubliches Werk. Es ist persönlich — der Auteur Andreas Spechtl erlaubt tiefe Einblicke in die Seele seines Ichs, das bekanntlich nach Arthur „Je est un autre“ Rimbaud das Ich eines Anderen ist. Es ist geschichtsbewusst — der Musiker Andreas Spechtl knüpft emotional zitierend an die kosmische Musik von Can und die Klangskulpturen von Conrad Schnitzler an. Es ist schließlich modern und hybrid — der Beobachter Andreas Spechtl schichtet Klänge und Samples zu einem Stein- oder Klangbruch, der sich über jede kontinuierliche Bassdrum legen lässt und jedes DJ-Set auf diese Weise in ein neues Raum-Zeit-Kontinuum zu katapultieren imstande ist.

Denn wir hören: Traditionelle persische Perkussions- und Saiteninstrumente, deren Klänge von Andreas Spechtl gesampelt, neu zusammengesetzt und mit zeitgenössischen Beats, Filtern und Effekten bearbeitet wurden. Entstanden sind auf diese Weise räumlich ebenso komplexe wie faszinierend-verwirrende Klanggebäude, deren gleichmütiger Rhythmus gleichwohl vertraut erscheint und der Grund dafür ist, weshalb diese Musik so leicht an Narrationen aus der jüngeren elektronischen Musik anzuknüpfen weiß.

Komponiert hat Andreas Spechtl „THINKING ABOUT TOMORROW, AND HOW TO BUILD IT“ in der 12-Millionen-Metropole Teheran, Hauptstadt des Iran, und nach gemeiner westlicher Lesart wahlweise „das Zentrum des Bösen“, „das Herz der Finsternis“ oder „das Reich der Angst“. Als Andreas Spechtl im Winter 2016/17 dort zwei Monate verbrachte und insgesamt zehn Konzerte in seinem Teheraner Studio gab, wurde in seiner Wahlheimat Berlin ein Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz verübt. Im Winter fällt das Thermometer in Teheran auf bis minus 10° Celsius. Auch schneit es. Durch den dichten Verkehr bewegt man sich mit dem Taxi. Von Privatwohnung zu Privatwohnung, denn in Teheran wird der private Raum zum öffentlichen Raum, während der öffentliche Raum schnellstmöglich überwunden wird: „Hidden Homes“.

In seinen Moskauer Tagebüchern schrieb Walter Benjamin, dass man die Heimat in der Ferne klarer zu sehen lernt. Diese einfache Feststellung kann man wie eine Matrix auf Andreas Spechtls Platte legen. Indem er über das Andere reflektiere, reflektiert er über sich selbst; indem er über Teheran grübelt, denkt er über Berlin nach, über das Eigene in der Fremde. Seine Platte wurde im Ergebnis zu einem Spiegel der Gewissheit, dass wir vor der Zukunft keine Angst zu haben brauchen — die Zukunft und die Utopie und eben nicht The Angst and… sind Zentralmotive der zehn neuen Songs, und Titel wie „TMRRW“, oder „Future Memories“ formulieren es. In Teheran haben die Menschen keine Angst vor der Zukunft. Sie wissen, dass alles nur besser werden kann. Bis dahin feiern sie und sind kreativ hinter verschlossenen Türen. Und Andreas Spechtl tat es ihnen gleich.

„Ich war immer wieder verzaubert von der Schönheit der  Sprache“, berichtet Andreas Spechtl, der im persischen Winter auf dem „Africa Blvd“ zunehmend verstummte und die Musik zu seiner Version dieser Sprache machte, spricht doch auf  Teherans Straßen so gut wie niemand Englisch oder gar Deutsch. Andreas Spechtl, der für seinen modernen, assoziativen, virtuosen Umgang mit der deutschen und englischen Sprache berühmt ist, seit er als Sänger, Texter und Komponist der österreichischen Band Ja, Panik eine große Bekanntheit erlangte, bleibt also auf seinem neuen Album weitgehend instrumental.

Vor allem aber entsteht die Zukunft, von der Andreas Spechtl ebenso optimistisch wie wortkarg berichtet, aus Reibung. Thomas Bernhard hat einst über das schreckliche Österreich, in dem vieles bis alles falsch läuft, geschrieben und genau aus dieser Reibung seine Poesie gewonnen. Andreas Spechtl tauschte die wattierte, reibungslose Gegenwart in Berlin gegen eine ihm sprachlich sich nicht erschließende, dafür als Grundstimmung umso spürbarere Reibungsenergie und wandelte sie in hybride, teils auch ambiente Musik. In einem Land, in dem Vieles verboten ist, ist in der Zukunft alles möglich. Die repressive Toleranz, ein vereinzeltes, individuell erlebtes anything goes, liegt wie ein bleiernes Gewicht auf Deutschland, aber nicht auf Teheran. 

Davon berichtet „THINKING ABOUT TOMORROW, AND HOW TO BUILD IT“, ein großes, opulentes Field Recording in zehn musikalischen Tagebucheinträgen. 

LINKS:

https://de-de.facebook.com/a.spechtl/

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